Brandy / Weinbrand

Weinbrände und Brandys gehören schon seit Jahrhunderten zu den international beliebtesten und am weitesten verbreiteten Spirituosen. Aus unterschiedlichen Weinsorten destilliert, bieten verschiedene Marken und deren einzelne Produkte ganz eigene Aromen. Weinbrand und Brandy geniesst man klassisch pur oder im Mix mit Cola. Weiterhin verleihen die Brände einer Vielzahl bekannter Cocktails eine unverwechselbare Geschmacksnote.

Eine kurze Geschichte des Weinbrands

Beim Weinbrand oder auch Brandy, wie dieses hochprozentige Destillat in vielen Ländern bezeichnet wird, handelt es sich um eine Spirituose, deren gesamter Alkoholgehalt aus Wein stammt. Weinbrand bzw. Weindestillate gehören zu den ältesten bekannten Spirituosen weltweit. Geschichtliche Erkenntnisse zeigen, dass auf dem Gebiet der heutigen Türkei wohl bereits um 1.000 n. Chr. hochprozentige Destillate aus Wein hergestellt wurden. Es dauerte jedoch bis zum Mittelalter, bis sich diese Weinbrände auch in Europa verbreiteten. Zunächst war Weinbrand in Europa aber nicht als Genussmittel bekannt, sondern wurde zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Speziell Cognac soll durch Chevalier de la Croix-Maron, einem Vorfahren des französischen Adelsgeschlechts Castelbajac, erfunden worden sein. In Frankreich wurde Weinbrand bereits im 17. Jahrhundert in andere europäische Länder und nach Übersee exportiert. 

Namensherkunft des Weinbrands

Weinbrand wurde im Mittelniederdeutschen ursprünglich als "brandewin" bezeichnet. Hieraus entstand später der englische Ausdruck brandy wine, der schliesslich, auf Brandy verkürzt, noch heute als Name für Weinbrand verwendet wird. Dies gilt nicht nur für englischsprachige Länder, sondern unter anderem auch für Weinbrände aus Italien, Spanien sowie aus internationaler Produktion. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Weinbrände in Deutschland gemeinhin als Cognac bzw. Kognak bezeichnet. Als Verkaufsbezeichnung sind diese Begriffe jedoch seit dem Ende des Ersten Weltkriegs nur noch dann erlaubt, wenn ein Weinbrand tatsächlich in der Region Cognac in Frankreich hergestellt wurde. 

Branntwein ist nicht gleich Weinbrand!

Oftmals werden die Begriffe Branntwein und Weinbrand als Synonyme verwendet. Dies ist jedoch nicht korrekt, denn als Branntwein wird offiziell jede Spirituose bezeichnet, die durch Brennen bzw. Destillation hergestellt wurde. Der Weinbrand oder Brandy hingegen ist stets ein Destillat, das aus Wein gewonnen wurde. Er gehört jedoch als spezieller Branntwein zu den Spirituosen, die unter steuerlichen Aspekten als Destillate aus einer Vielzahl stärke- und zuckerhaltiger Ausgangsprodukte gewonnen werden.

Gesetzliche Regelungen rund um den Weinbrand

Einschlägige Verordnungen der EU definieren die Eigenschaften, die einen Brandy oder Weinbrand auszeichnen: Unter anderem müssen die Spirituosen einen Alkoholgehalt von mindestens 36 Volumenprozent betragen, wobei der Mindestgehalt für deutschen Weinbrand sogar bei 38 Volumenprozent liegt. Dabei ist jedoch anzumerken, dass das ursprüngliche Destillat einen Alkoholgehalt von etwa 52 bis 86 Prozent aufweist und vor dem Verkauf durch den Abfüller auf Trinkstärke gebracht wird. Weiterhin muss ein Weinbrand oder Brandy mindestens sechs Monate in Eichenfässern gereift sein. Hierbei erhält die Spirituose ihre typische bernsteinfarbene bis dunkelbraune Färbung. Die Farbe ist dennoch kein Qualitätsmerkmal dieser Spirituosen: Denn laut gesetzlicher Regelungen darf ihnen neben Zucker auch der Farbstoff Zuckercouleur zugegeben werden. Jedoch ist es untersagt, Ethanol aus anderen Quellen zuzusetzen. Nicht zu den Weinbränden nach EU-Verordnung zählen sogenannte weisse Weinbrände und Frucht-Brandy, die stets mit der verwendeten Frucht bezeichnet werden müssen und zu den Likören gehören.

Der Weinbrand: ein Getränk, viele Herkunftsländer

Weinbrand wird in nahezu allen europäischen Ländern hergestellt, in denen auch Wein angebaut wird. So gehören zum Beispiel Spanien, Griechenland, Frankreich und Deutschland zu den wichtigsten Produzenten von Weinbränden und Brandys. Aber auch in Italien sowie in grossen Teilen des ehemaligen Jugoslawien stellt man traditionellerweise Brandy her. Länder, die typischerweise nicht für den Weinbau bekannt sind, etwa Norwegen, gehören ebenfalls zu den bedeutenden Produzenten von Weinbrand. Nicht zuletzt stellen einige Länder in Übersee Brandys her, unter anderem die USA sowie Chile und Peru. In der Schweiz kommt der Herstellung von Weinbrand und Brandy keine Bedeutung zu. Dennoch geniessen viele Schweizer selbstverständlich gerne die qualitativ hochwertigen Brände aus ihren Nachbarländern und aus Übersee. 

Nationale Eigenheiten verschiedener Weinbrände und Brandys

Weinbrand und Brandy werden in verschiedenen Ländern Europas sowie international teils unterschiedlich hergestellt. Die Unterschiede finden sich vor allem in Nuancen des Destillationsprozesses sowie mitunter in der anschliessenden Lagerung des Destillats. 

Weinbrand aus Deutschland

Es gibt einige bekannte Weinbrände aus Deutschland. Zu ihnen zählen unter anderem Asbach Uralt und Chantré. Jedoch darf ein Produkt die Bezeichnung "Deutscher Weinbrand" nur dann führen, wenn er einen Mindestalkoholgehalt von 38 Volumenprozent aufweist und mit einer amtlichen Prüfungsnummer versehen ist. Beides gilt zum Beispiel für Chantré nicht. Er weist nur 36 Prozent Alkoholgehalt auf und darf die Bezeichnung "Deutscher Weinbrand" nicht führen, obwohl er in Deutschland hergestellt wird. Dennoch ist er bereits seit Jahren die Nummer zwei unter den meistverkauften Spirituosen in Deutschland.

Weinbrände aus Frankreich

Frankreich ist für seine erlesenen Cognacs bekannt, die selbstverständlich ebenfalls zu den Weinbränden gehören. Aufgrund der namensrechtlichen Bestimmungen dürfen allerdings nur solche Brände als Cognac bezeichnet werden, die in den beiden Departements Charente und Charente-Maritime gebrannt wurden. Ausserdem muss ein echter Cognac mindestens 30 Monate in Fässern aus Limousin-Eiche gelagert werden und einen Mindestalkoholgehalt von 40 Volumenprozent aufweisen.

Ebenfalls beliebt sind die französischen Weinbrände aus der Gascogne, die als Armagnacs bezeichnet werden. Anders als Cognacs werden diese Brände in einem einmaligen Brenndurchgang destilliert, während beim Cognac das sogenannte Doppelbrandverfahren zur Anwendung kommt. Wie Cognac ist Armagnac eine geschützte geografische Herkunftsbezeichnung.

Brandys aus Spanien

Spanien hat nicht nur die längste Brandy-Tradition in ganz Europa. Darüber hinaus ist das Land auch der weltgrösste Brandy-Produzent. Traditionell werden mehr als 90 Prozent dieser Brandys an der spanischen Atlantikküste in der Region Jerez de la Frontera destilliert. Bei "Brandy de Jerez" handelt es sich entsprechend um eine geschützte geografische Herkunftsbezeichnung. Diese Bezeichnung ist im Übrigen die einzige, die von der EU offiziell zugelassen wurde.

 

Spanische Brandys werden mittels eines besonderen Verfahrens hergestellt. Die Spanier verwenden für ihren Weinbrand nämlich stets zwei völlig unterschiedliche Destillate, die miteinander vermischt werden. Es handelt sich dabei um die Holandas und die Destilados. Während die Holandas als eigentliche Geschmacksträger des Brandyaromas fungieren, sind die Destilados aromatisch neutral und verleihen dem Brandy dadurch einen leichteren und zugleich milderen Geschmack.

Auch in Bezug auf die Lagerung und Reifung unterscheidet sich spanischer Brandy deutlich von Produkten aus anderen Ländern. Zunächst wird er in Fässern aus amerikanischer Steineiche gelagert, in denen zuvor Sherry gereift wurde. Dazu kommt, dass die Reifung in den bis zu zwölf Stufen des sogenannten Solera-Verfahrens erfolgt. Hierbei werden Brandys unterschiedlichen Reifegrades miteinander gemischt. Daher gibt es verschiedene Qualitätsstufen für spanische Brandys. Solera muss mindestens sechs Monate reifen, während Solera Reserva eine Mindestreifezeit von zwölf Monaten hat. Solera Gran Reserva schliesslich lagert und reift mindestens 36 Monate, in der Regel aber deutlich länger.

Brandy aus Italien und Portugal

Auch in Portugal und Italien werden bereits seit vielen Jahren hochwertige Brandys hergestellt. Der bekannteste aus Italien stammende Weinbrand ist wohl der Vecchia Romagna, für den die gleiche Traube wie für Cognac als Grundlage dient. Er ist in der Schweiz in der Regel in zwei Qualitäten erhältlich, nämlich mit drei bzw. zehn Jahren Lagerdauer in Fässern aus Limousin-Eiche. Zu den beliebtesten Brandys aus Portugal gehört der Macieira, der bereits seit 1885 hergestellt wird und mindestens sechs Monate in Eichenfässern lagert, ehe er zur Abfüllung kommt.